Saarbrücken. Rund zwei Jahre vor der nächsten Landtagswahl ist die SPD im Saarlandtrend von Infratest dimap im Auftrag des Saarländischen Rundfunks erneut stärkste politische Kraft. In der aktuellen Umfrage zur politischen Stimmung im Bundesland kommt die SPD auf 30 Prozent und liegt damit drei Prozentpunkte vor der CDU, die 27 Prozent erreicht. Die Erhebung fand vom 25. bis 28. März 2025 unter 1.132 wahlberechtigten Personen statt.
AfD gewinnt deutlich hinzu – Linke zurück im Landtag
Die AfD verbessert sich im Vergleich zur vorherigen Umfrage vom Herbst 2024 um drei Punkte und kommt auf 17 Prozent. Die Linke zieht mit acht Prozent wieder in den Landtag ein. Auch die Grünen verbessern sich leicht auf sechs Prozent. Die FDP hingegen scheitert mit drei Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) verliert deutlich – sechs Prozentpunkte – und kommt nur noch auf vier Prozent.
Koalitionsoptionen begrenzt
Auf Basis der aktuellen Werte wäre eine Koalition jenseits der Großen Koalition rechnerisch nicht möglich. Sowohl SPD als auch CDU lehnen eine Zusammenarbeit mit der AfD ab. Kleinere Koalitionsoptionen wie eine Ampel oder ein rot-rot-grünes Bündnis verfügen über keine parlamentarische Mehrheit.
Landesregierung unter Druck – Kritik an Wirtschaft und Bildung
Trotz des leichten Umfragegewinns der SPD zeigt sich eine insgesamt kritische Einschätzung der Regierungsarbeit. 51 Prozent der Befragten äußern sich unzufrieden mit der Landesregierung. Vor allem in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Zuwanderung wird die Performance als unzureichend bewertet. Positiv beurteilt wird hingegen die Sicherung der Energieversorgung sowie das kulturelle Angebot im Land.
Kompetenzzuschreibungen widersprüchlich
Zwar wird der SPD insgesamt am ehesten zugetraut, die wichtigsten Herausforderungen zu bewältigen, doch in den Einzelfeldern – insbesondere Wirtschaft, Bildung und Einwanderung – liegt die CDU vorn. Auffällig ist zudem, dass die AfD in allen abgefragten Politikfeldern an Zustimmung gewinnt.
Rehlinger vor Toscani in Direktwahlfrage
Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) bleibt die beliebteste politische Persönlichkeit im Land. 58 Prozent der Befragten äußern sich zufrieden mit ihrer Arbeit, ein Prozentpunkt mehr als im Herbst. Ihr Herausforderer Stephan Toscani, CDU-Landesvorsitzender, erreicht 34 Prozent Zustimmung – zwei Prozentpunkte weniger als zuletzt. In einem hypothetischen Direktduell würde Rehlinger mit 54 zu 23 Prozent klar gewinnen.
CDU sieht Ursachen in Bundespolitik – deutliche Kritik an SPD-Wirtschaftsbilanz
CDU-Generalsekretär Frank Wagner erklärte zur Veröffentlichung der Zahlen, das Ergebnis sei im Hinblick auf den bundespolitischen Trend wenig überraschend. Die aktuellen Koalitionsverhandlungen mit der SPD seien in der öffentlichen Wahrnehmung einseitig zu Ungunsten der Union ausgefallen. Wagner forderte, dass ein künftiger Koalitionsvertrag die im Wahlkampf angekündigten Reformen auch umsetzt.
Zugleich übte er scharfe Kritik an der wirtschaftlichen Lage im Saarland. Diese sei bundesweit am schlechtesten, was die Entwicklung bei Wirtschaft und Arbeitsmarkt betreffe. Die Verantwortung dafür liege bei der SPD, insbesondere bei Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, die das Wirtschaftsressort zuvor selbst geführt hatte. Wagner bezeichnete die Umfrageergebnisse als Misstrauensvotum gegenüber der SPD-Wirtschaftspolitik.
Zur Methodik
Die Erhebung erfolgte mittels telefonischer und onlinebasierter Interviews. Befragt wurden 1.132 wahlberechtigte Personen im Saarland. Die Schwankungsbreite liegt je nach Anteilswert zwischen zwei und drei Prozentpunkten. Die „Sonntagsfrage“ ist eine Momentaufnahme der politischen Stimmung und bildet keine sichere Prognose des tatsächlichen Wahlergebnisses ab.